Die Geschichte von Obersdorf- Rödgen

oder ein Dorf wird erwachsen

In der Steinzeit hielt man anscheinend noch nicht von Obersdorf – Rödgen, denn erst aus jüngeren Eisenzeit können Funde in der Gegend um Obersdorf vorgewiesen werden. Somit beginnt die Geschichte von Obersdorf – Rödgen erst in der Zeit zwischen 500 Jahre vor bis 100 Jahre nach Christus. Aus dieser Zeit stammt der bekannte La-Tene-ofen im Obersdorfer Wald, hier kann man auch Schlackenhalden und sog. Wohndeponien finden. Die Wohndeponien können heute noch als eingeflachte rechteckige Flächen im Gelände erkannt werden. Der La-Tene-Ofen kann ganzjährig besichtigt werden, dank des ihn umgebenden Schutzbaues mit Verglasung im Vorderbereich.

Im Jahr 1914 machten zwei Bergleute in der Nähe der Grube Rex eine bedeutende Entdeckung, indem sie das erste im Siegerland entdeckte Urnengrab gefunden haben. Die in dem Grab gefundenen Gegenstände, Knochenreste, Eisenteile und eine gut erhaltene Bronzefibel (Gewandnadel, die aufgrund Ihrer Form zum Typ der Vogelkopffibeln zugeordnet wird), die auf 200 Jahre vor Christi datiert worden sind. Ein weiterer bedeutender Fund wurde etwa 1918 beim Bau des alten Gasthofes Stahl gemacht in Form eines Eisenschwertes, das vermutlich aus der jüngeren Eisenzeit stammt. Leider hat es ein Kurgast entwendet.

Obersdorf wird erstmals 1417 mit Gobel von Obersdorf erwähnt. 1467 tritt Tilchin von Obersdorf in Erscheinung, der als Hofmann Schatzung (Steuer) an die Siegener Rentei entrichten mußte. 1461 lebten in Obersdorf 5 Steuerzahler, das entsprach etwa 25 Personen. 1563 hatte die Siedlung Obersdorf 13 Häuser mit 71 Einwohnern. 1818 waren es 53 Häuser mit 218 Einwohnern, 1933 waren es 500 Einwohner. In den Jahren von 1939 bis 1946 ist ein sprunghafter Anstieg zu verzeichnen, offenbar war dies durch die Aufnahme von Vertriebenen und Evakuierten aus der kriegszerstörten Stadt Siegen bedingt.

1946           800 Einwohner

1962        1.051 Einwohner

1964        1.192 Einwohner

1969    1.382 Einwohner

1976        1.650 Einwohner

2002    1.924 Einwohner

2009    1.980 Einwohner

Im 13. Jahrhundert wird erstmals eine Kirche zu Rödgen erwähnt, erbaut von den Rittern Rode zu Wilnsdorf zusammen mit den Rittern Kolbe zu Wilnsdorf, die hier ein Lehnsgut besaßen. 1339 übernahm der Graf Heinrich von Nassau im Zuge der Verfestigung seiner Herrschaft Hofgut und Kirche an dem zweifellos auch strategisch wichtigen Platz. 1480 entstand dann das selbständige Kirchspiel Rödgen, zu dem die Orte Eisern, Rinsdorf, Nieder- und Oberdielfen sowie Obersdorf gehörten. Zur Zeit der Reformation wurde das Kirchspiel zeitweise mit Wilnsdorf vereinigt. Von 1648 an wurde die dem heiligen Johannes dem Täufer geweihte Kirche von beiden Konfessionen benutzt. 1788 wurde gegenüber dem alten Kirchenschiff eine kath. Kirche an den aus dem Jahre 1677 stammenden Turm gebaut. So zeigt sich noch heute die jetzt unter Denkmalschutz stehende Doppelkirche (Simultankirche).

Durch die politische Neuordnung nach der napoleonischen Zeit ging das nassauische Lehnsgut in den Besitz des preußischen Staates über, der es 1820 an Privathand verkaufte. Zu diesem Zeitpunkt dürfte wohl auch Rödgen mit Obersdorf zu einer Gemeinde zusammengeschlossen worden sein.

In der Gegend des jetzigen Kriegerehrenhains befand sich im Mittelalter eine kleine Wallfahrtsstätte, die „Kirche auf dem Marienhain“ sie wurde 1640 durch die schwedischen Truppen zerstört. Gebleiben ist bis auf den heutigen Tag die Flurbezeichnung Marienhain.

Im Gegensatz zu Rödgen ist wohl Obersdorf seit alterher ein Bergmann- und Bauerndorf gewesen. Das Eisenerz war auch hier durch die Jahrhunderte wichtige Existenzgrundlage für die Bevölkerung. Zahlreiche Halden und verlassene Stollenweisen auf den Bergbau hin, der im engeren Ortsbereich in Kleinstbetrieben bis in den 1. Weltkrieg hinein gefahren wurde.

Bis nach dem 1. Weltkrieg 1918 waren die beiden Ortsteile Obersdorf und Rödgen landschaftlich klar getrennt durch den Struthwald, der in Höhe des Brand- und Badeweihers stand. Er wurde 1921 zur Bestreitung der Kosten für die Elektrizitätsversorgung der Gemeinde geopfert. Diese Anlagen wurden 1968 im Zuge der generellen Erneuerung der Straßenbeleuchtung an das EW Siegerland verkauft. Durch keine natürliche Begrenzung mehr getrennt, streben seitdem beide Ortsteile in ihrer baulichen Entwicklung zusammen. Eine Abgrenzung zwischen den beiden Ortsteilen kann heute nicht mehr erkannt werden. Im schulischen Bereich hat sich eine wesentliche Wandlung vollzogen. Bis zum Jahre 1918 wurde in der alten Schule (jetzt Parkplatz ev. Vereinshaus) unterrichtet. Im Jahr 1905 wurde die kath. Schule (Jetzt DRK-Zentrum) errichtet. 1917/18 wurde die ev. Schule (jetzt Glaserei Pätzold) in Betrieb genommen. Diese beiden Schulen wurden als Konfessionsschulen genutzt. Lediglich während des zweiten Weltkrieges wurde die Gemeinschaftsschule angeordnet und beide Gebäude gemeinsam genutzt. 1963 –1965 wurde die neue Schule mit Turnhalle gebaut. Die alte ev. Schule wurde an die Fa. Pätzold verkauft, während die kath. Schule zunächst noch als Gemeindebüro und Versammlungsraum für örtliche Institutionen wie Haubergsgenossenschaft, Hilfe am Grabe, usw. genutzt wurde. 1975 wurde sie dem Roten Kreuz zum Umbau als Rotkreuzzentrum überlassen. Bis 1968 wurde die neue Schule als Grund- und Hauptschule genutzt, durch die Schulneuordnung wurde die Hauptschule dann nach Niederdielfen verlegt. Der untere Teil der Schule wurde daraufhin zum Kindergarten umgebaut.

1928 wurde durch die Gemeinde eine eigene Wasserversorgungsanlage gebaut. Als Wasserstollen wurde der Aurorastollen (heute Grillplatz) ausgebaut. Über die Pumpstation (gegenüber der Einmündung Wiesenrainsgarten – Rödgener Straße) wurde das Wasser zum Hochbehälter Rödgen / Höhenweg gepumpt. Wegen Versorgungsschwierigkeiten wurde in den Jahren um 1960 die Anlage durch den Ausbau des Stollens Prinz Friedrich (Silberquelle) und später durch den Ausbau des Schachtes der ehemaligen Grub Rex erweitert. 1970 verkaufte die Gemeinde Wilnsdorf die gesamte Anlage an den Wasserverband Siegerland, welcher seit dieser Zeit die Versorgung durch Talsperrenwasser sicherstellt.

Nachdem seit 1965 an einer kommunalen Neuordnung im Kreis Siegen gearbeitet wurde, versuchte man in Obersdorf eine Zuordnung zur Stadt Siegen zu erreichen. Der Rat der Stadt Siegen hatte sich einstimmig für eine Angliederung der Gemeinde Obersdorf ausgesprochen und einen Gebietsänderungsvertrag vorgelegt. Der Rat der Gemeinde Obersdorf führte zunächst eine Volksbefragung durch, bei der sich 82% der Einwohner für den Anschluss an Siegen aussprachen. In der entscheidenden Sitzung des Obersdorfer Rates wurde zwar mit Mehrheitsbeschluss dem Willen der Bevölkerung entsprochen, jedoch konnte wegen Fehlens einer Stimme der Gebietsänderungsvertrag nicht unterzeichnet werden. Durch Rechtsverordnung wurde die Gemeinde Obersdorf am 01.01.1969 der neuen Gemeinde Wilnsdorf zugeordnet.

Vor ziemlich genau 6 Jahren wurde der Grundstein für das neue evangelische Gemeindezentrum gelegt. Das neue Gemeindezentrum befindet unmittelbar oberhalb des alten Pfarrhauses. Durch viel ehrenamtliches Engagement und viele Spenden konnte hier ein Ort der Begegnung geschaffen werden.

Die Grundfläche von Obersdorf-Rödgen wird offiziell mit 4,32 km² angegeben. Damit sind wir von der Fläche der drittkleinste Ortsteil der Gemeinde Wilnsdorf, aber sicherlich der schönste und lebenswerteste der ganzen Gemeinde.

(Quelle: Aufzeichnung von Berthold Becker, Internetseite der Gemeinde Wilnsdorf)